
Burgstadt · Vulkankegel · Südliches Val d'Orcia
Radicofani
Eine mittelalterliche Festung auf einem Vulkanfelsen — aus 50 Kilometern Entfernung in jeder Richtung sichtbar
Radicofani erhebt sich aus der Ebene auf einer Säule aus altem Vulkangestein 896 Meter über dem Meeresspiegel — eine der dramatischsten Silhouetten der Toskana. Die Festung auf dem Gipfel galt jahrhundertelang als uneinnehmbar — sie kontrollierte den Via Francigena auf seiner verwundbarsten südlichen Strecke, und wer Radicofani hielt, kontrollierte den Verkehr zwischen Siena, Rom und dem Königreich Neapel. Heute ist die Stadt klein und ruhig, die Festung restauriert und für Besucher geöffnet. Der Blick von den Zinnen — über das Val d'Orcia nach Norden, über die Monte-Amiata-Wälder nach Osten, bis zu den vulkanischen Ebenen der Maremma nach Süden und Westen — ist schlicht außergewöhnlich.

La Rocca di Radicofani
Die Uneinnehmbare Festung des Via Francigena
Die Rocca di Radicofani wurde im frühen Mittelalter erstmals befestigt und erhielt ihre endgültige Form unter der Sienischen Republik, die sie 1297 in Besitz nahm. Friedrich II. von Hohenstaufen hielt sie kurz; Papst Hadrian IV. soll hier auf dem Weg nach Norden gerastet haben; die Medici verstärkten später ihre Mauern. Die Festung wurde 1656 durch eine Schießpulverexplosion teilweise zerstört und blieb eine Ruine bis zur Restaurierung im 20. Jahrhundert. Heute können Besucher auf den Turm klettern und die Zinnen begehen; an einem klaren Tag sind Monte Amiata, Val d'Orcia, Pienza und das ferne Meer gleichzeitig sichtbar.
Ghino di Tacco
Der Räuber, der Dante und Boccaccio Bezauberte
Im späten 13. Jahrhundert wurde ein sienesischer Adliger namens Ghino di Tacco nach der politischen Ungnade seiner Familie verbannt. Er besetzte die Rocca di Radicofani mit Gewalt und nutzte sie als Basis für eine Karriere als Wegelagerer, die im gesamten mittelalterlichen Italien legendär wurde. Er wird in Dantes Purgatorio (Gesang VI) erwähnt und taucht in Boccaccios Decameron auf, wo er nicht als Schurke, sondern als Prinzipientreuer dargestellt wird — er befreite einen wohlhabenden Abt, nachdem dessen Gicht durch die einfache Kost von Radicofani geheilt wurde. Die Geschichte sagt etwas Wahres über den Ort: Die Luft hier ist scharf, das Essen einfach und das Licht unnachsichtig.

Praktische Informationen
- Lage
- Radicofani (SI), südliches Val d'Orcia
- GPS
- 42.8959° N, 11.7717° E
- Höhe
- 896 m über dem Meeresspiegel
- Von Pienza
- 38 km südöstlich (45 Min. mit dem Auto)
- Von San Quirico d'Orcia
- 28 km südlich auf der Via Cassia
- Rocca di Radicofani
- Apr.–Okt. täglich 10:00–18:00; reduzierte Öffnungszeiten im Winter
- Eintritt
- €4 Erwachsene, €2 ermäßigt
- Beste Zeit
- Klare Tage im Frühjahr oder Herbst für maximale Sichtweite
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